"Be water, my friend!"

Chi. Prana. Ki.


Diese Worte kommen aus dem chinesischen, dem Sanskrit und dem japanischen und bedeuten "Lebenskraft".


Jeder Mensch hat Chi. Lebenskraft. Wenn Chi gestört ist, dann wird ein Mensch krank. Der Heiler arbeitet daran, die Störung zu beseitigen und Chi zu stärken.



Seit einer Weile betrachte ich Veränderung und Transformation in Organisationen auf die gleiche Weise: die Kraft der Entfaltung und Entwicklung ist in einem System schon vorhanden. Wenn trotzdem Stagnation oder Diffusion herrschen, dann ist die Lebenskraft des Systems blockiert. Gelingt es jedoch, diesen natürlichen Fluss wieder zu aktivieren, dann kann sich die Organisation gesund entwickeln.


Organisationsentwicklung - und auch Führung - sollte sich also weniger damit beschäftigen, die Organisation mit viel Aufwand in einen neuen Zustand zu entwickeln, sondern darauf schauen, was die natürliche Lebenskraft des Systems blockiert.

Statt der Organisation etwas hinzuzufügen, wäre der erste Blick darauf zu richten, was zu entfernen ist. Welche alten Strukturen oder Prozesse lähmen den Fluss? Welche 'unerledigten Geschäfte', also Konflikte, Verletzungen, Rollenvermischungen etc. behindern die weitere Entwicklung? Wo gibt es schwarze Löcher, die alle Energie aus dem System saugen?


Die Gestalttherapie hat ein eigenes Verständnis von Veränderungsprozessen entwickelt und damit die humanistische Psychologie erweitert. Der Gestaltprozess der Veränderung ist universell und ist auch in Organisationen wirksam (vgl. Edwin C. Nevis). Gemäß diesem Gestaltprozess führen Blockaden zu Stagnation, Polarisation und Diffusion. Es entsteht Stillstand, Konflikte brechen auf, die Organisation gerät in Lähmung oder gar Depression. Es braucht dann die Auflösung, damit die letzte Phase des Prozesses sichtbar wird: die Expansion. Wenn das Chi wieder fließt.


In meiner Arbeit sammle ich durch diesen Perspektiven-Wechsel neue Erkenntnisse. Ich begebe mich auf die Suche nach dem Chi. Es soll wieder in Fluss kommen. In dieser Arbeit verändert sich auch die Haltung von Führung und der 'Aggregatszustand' der Organisation. Festes wird flüssig. Oder, in den Worten von Bruce Lee: "Be water, my friend."

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